Das Jahr des Slow Tourism

2019 feiert Italien das „Jahr des langsamen Tourismus“, das dem entschleunigten Reisen gewidmet ist und für einen Urlaub abseits der großen Touristenzentren steht. Freizeit in der Natur verspricht Erholung, aber auch die Möglichkeit zum Wandern, Radfahren, Reiten und vielen anderen Aktivitäten unter freiem Himmel. Der Trend reicht vom nachhaltigen Reisen bis hin zum green und slow tourism, also einem Aufenthalt in Kontakt mit Natur und Menschen, um das Ursprüngliche und Authentische kennen zu lernen und beim „langsamen Reisen“ Zeit dafür zu haben.

Italien hat dafür eine große Palette an Möglichkeiten: 25 Nationalparks und etliche regionale Naturschutzgebiete bieten Naturerlebnisse und Touren abseits der Touristenpfade, bei denen man die lokale  Tier- und Pflanzenwelt kennenlernen sowie Trekking- und Mountainbike-Ausflüge machen kann. Die Meeresschutzparks wiederum sorgen für geschützte Zonen an der Küste und um die Inseln, um die Unterwasserwelt zu schützen. www.parks.it.

Das Engagement der Gemeinden für Strand- und Wasserqualität sowie umweltgerechte Infrastruktur an Badestellen, wird jedes Jahr von der europäischen Organisation mit der Blauen Flagge ausgezeichnet: in Italien waren es zuletzt 368 (Stand 2018). www.blueflag.org

Die traumhaft anmutende Landschaft des Stiefellandes verzaubert von Nord nach Süd: Wer die Gegend erkunden und die Landschaft genießen will, kann von den Alpen bis zum Ätna auf zahlreichen Wanderwegen gehen. Eine ganz neue Website stellt über 40 Wege vor, die entlang kulturhistorisch bedeutender Orte führen, wie die Pilgerroute des Franziskuswegs oder die Frankenstraße, auf der Jahrhunderte lang nach Rom gepilgert wurde. Aber auch literarische Wege, wie der Cammino di Dante, der die Orte verbindet, an denen der italienische Dichter lebte, gehören dazu und die antike Via Appia. www.camminiditalia.it

Eine Wander- oder Pilgerreise zu Italiens landschaftlichen Schätzen ist immer auch eine Reise des Genusses. Es gibt von Norden nach Süden zahlreiche Schlemmerrouten und Weinstraßen wie die Strada del Vino e dell’Olio an der Costa degli Etruschi in der Toskana oder die Proseccostraße entlang der Naturkulisse Venetiens, die gekennzeichnet ist von Weinreben, alten Abteien, Kirchen und Burgen.

Die Borghi, italienische Dörfer im Hinterland und verträumte Küstenorte laden ein zu einem Urlaub, bei dem Nachhaltigkeit großgeschrieben wird und der ein authentisches Reiseerlebnis mit viel Gastfreundlichkeit erlebbar macht. Es gibt von Nord- bis Süditalien rund 1.000 Borghi, Dörfer, die meist im Mittelalter rings um eine Burg entstanden sind und ihren ursprünglichen Charakter bewahrt haben. In diesen charmanten Orten mit ihren Kopfsteinpflaster-Gassen und Steinhäusern ticken die Uhren oft noch langsamer und Traditionen sind hier noch lebendig genauso wie eine authentische Küche mit lokalen Produkten. Viele der Borghi haben sich einem Qualitätstourismus verschrieben und bieten Besuchern Unterkünfte in restaurierten Gebäuden an, die vormals eine nicht touristische Funktion hatten. So kann man z.B. in ehemaligen Mühlen, Schlössern oder Klöstern übernachten oder in kompletten Gebäudekomplexen wie verlassene Dörfer, die als „Albergo diffuso“ („verstreutes Hotel“) dienen. www.alberghidiffusi.it 

Für die touristische Promotion haben sich viele Borghi zusammengeschlossen:    
die Borghi Autentici d’Italia, zu denen einige Alberghi Diffusi gehören, verfolgen das Konzept des Erhalts historischer Bausubstanz, kultureller Identität und Traditionen. Gäste sollen sich als „Teilzeit-Einheimische“ fühlen, in dem sie in das Dorfleben eintauchen.  www.borghiautenticiditalia.eu/en/.

I Borghi più Belli d'Italia sind ein Verband, in dem über 270 Dörfer vereint sind, die mit ihrer jeweils einzigartigen Charakteristik für sich werben. Der Club versteht seine Aufgabe nicht allein in der Tourismusförderung, sondern auch in der Bewahrung und Restaurierung von historischen Gebäuden und Denkmälern, die oftmals in Gefahr sind, verloren zu gehen.  www.borghipiubelliditalia.it 

Der Touring Club Italiano vergibt seit 20 Jahren die Bandiera Arancione („Orangene Fahne“) als Auszeichnung im Tourismus- und Umweltbereich an kleine im Hinterland gelegene Borghi mit bis zu 15.000 Einwohnern. Inzwischen sind es 227 Ortschaften, die das Qualitätssiegel tragen (Stand 2018). Der Touring Club möchte mit der Auszeichnung, die von der Welttourismusorganisation anerkannt ist, einen Beitrag zur Förderung des sanften Tourismus leisten und die Aufmerksamkeit auf die abseits der Küste liegenden Schätze richten. www.bandierearancioni.it 

Nicht zu vergessen ist natürlich auch die regionale Küche, die mit lokalen Produkten und traditionellen Gerichten einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Identität leistet. Italien ist das Land mit den meisten kulinarischen Erzeugnissen geschützten Ursprungs (DOP, IGT – Siegel) und mit den meisten autochthonen Weinen. Nicht von ungefähr wurde die Slow-Food-Bewegung in den 80er Jahren im Piemont gegründet, um von hier aus die Welt zu erobern.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Italien langsam zu bereisen und dabei tiefer in die Kultur und die Traditionen einzutauschen, um Land und Leute kennen zu lernen. Die authentischen Reiseerlebnisse bleiben sicher eine unvergessliche Erfahrung.